1.10.2017

G-Marina Kemer
Seit wir am Freitagmittag in der Marina angekommen sind, hängt der Himmel meisst voll von grossen, dunklen Wolken. Es donnert und blitzt; manchmal weht eine harte Böe über den Hafen. Ab und zu fällt auch etwas Regen. Auch hier ist also der Herbst eingekehrt und wir sind froh rechtzeitig im Hafen zurück zu sein. Morgens und Abends ist es jetzt frisch, so um die 23 Grad, da braucht man schon mal eine Jacke oder Decke. Fast täglich trudeln jetzt auch hier Chartercrews ein, dabei auch viele Deutsche. In Kemer selbst ist es etwas ruhiger geworden. Die jungen türkischen Urlauber, die in Sachen Mode absolut nicht zurück stehen, sind jetzt  am Wochenende kaum noch zu sehen.
Für mich wird es höchste Zeit mich meiner Homepage zu widmen, denn hier habe ich auch an Bord guten WLAN-Empfang. Übrigends hatte ich in fast jeder Bucht einen guten Internetempfang mit Türkcel und somit immer einen guten Wetterbericht. Leider klappte aber die Verbindung zwischen I-phone und I-Pad nicht über Bluetooth; da muss ich mich nochmal  schlau machen.
Jetzt zu den Ereignissen der letzten Woche.

Samstag früh ging ich in Ücagiz noch schnell in den Supermarkt: frisches Obst, Gemüse, ein paar Dosen Bier und ein grosses Paket Eisklümpchen mussten mit. Wenn kein Wind weht und wir nur vor Anker liegen muss leider der Kühlschrank schonmal ausgestellt bleiben.
Wir verholen uns nur eine 1/2 sm weiter in die nächste Bucht und haben Blick auf die alte Kreuzritterburg Kaleköy, die wir ja 2 Tage zuvor erklommen haben. Wenn das Boot sich dreht fällt unser nächster Blick auf die Reste der antiken Stadt Teimiussa. Die Gedanken schweifen mit Blick auf die vielen Sarkophage, weit in die Vergangenheit zurück. 

Sonntagfrüh geht es, bevor die anderen Ankerlieger erwachen, Richtung versunkener Stadt von Kekova. Es ist windstill und die Villa gleitet leise über den versunkenen antiken Hafen. Das Wasser ist spiegelglatt und je nach Wassertiefe und Untergrund tiefblau bis türkis. Nur 2 Kanufahrer geniessen jetzt, gegen 8.30 Uhr, die wunderbare Stille. Am Ufer sieht man Treppen ins Wasser führen. Unter Wasser manchmal Abschnitte von Wänden, Mauern oder Torbögen. Bin hier hier vor ca. 15 Jahren schon mal  geschnorchelt. Seit einigen Jahren ist das ankern, schwimmen, schnorcheln und angeln streng verboten.
Wir werfen beim vorbeifahren noch einen Blick auf die kleine Ankerbucht von Tersane. Eine kleine Bucht auf der geschützten Innenseite der Insel Kekova gelegen. Hier am Strand sind die Reste einer byzantinischen Kirche zu bestaunen.
Da bereits ein Gulet, dass hier wohl übernachtet hat, in der Bucht vor Anker liegt und gerade eine Gruppe Kanufahrer über den See gepaddelt kommt um hier anzulanden, beschliessen wir weiter zu fahren und uns diese Bucht für einen weiteren Besuch aufzuheben.

Schon nach 4 weiteren Seemeilen haben wir die westlichste Bucht vom Kekovaarchipel erreicht und lassen unseren Anker auf nur 4 m tiefen Sandboden fallen. Am Ufer ein grosser Steg vor einem kleinen Restaurant. Diese Stege findet man oft in den einsamsten Buchten. Die Wirte haben für uns Boatpeople diese Stege, die kostenfrei sind, in der Hoffnung gebaut, dass man hier am Abend, einkehrt. Selbst gefangenen Fisch, Gemüse aus dem Garten und ab und zu ein Wildschwein werden hier angeboten. Am nächsten frühen Morgen höre ich die Mamasau quieken und grunzen; ich kann sie mit dem Fernglas ausfindig machen. Wir bleiben an Bord da wir uns ja gestern erst mit Lebensmitteln eingedeckt haben. Ausserdem backe ich gerne Brot, Pide und ab und zu Kuchen an Bord. Kleine Gulets mit ein paar Ausflüglern an Bord machen eine Wanderung zu einer nahegelegenen antiken Stadt, um sich anschliessend auf der Terasse des kleinen Lokals bei etwas Kühlem zu erfrischen. Zum Nachmittag lässt ein Regattaboot, zu Freds Freude, in unserer Nähe seinen Anker fallen. 2 Männer und 2 Jungen sind auf dem Boot. Einer der Männer kommt zu uns herüber geschnorchelt. Sie sind aus Israel und er unterhält sich mit Fred über unseren Liegeplatz in Kemer. Die beiden tauschen noch ein paar Infos aus.
Zum Abend sind wir alleine in der Bucht.

Am nächsten Morgen haben wir einen unglaublich schönen Blick durch den ganzen Kekovakanal. Bis auf das Grunzen der Wildschweine vom Ufer, das Krähen des Hahns, das Quaken der Frösche und das Schreien der Möwen, ist es unglaublich ruhig. Die Sonne geht auf und taucht das Wasser in eine

 

 

rosa- bis orangefarbene Farbe.
Das alles will ich in einem kleinen Gedicht festhalten.

 

Nach dem Frühstück geht es für uns wieder weiter Richtung Osten, das heisst wir machen uns auf die Heimreise. Nach 3 sm verlassen wir den Kekovagolf und biegen wieder ab auf's grosse Wasser. Wir möchten heute, wie bereits im Juni, nochmal in der Karaloz Bucht          ( Pferdekopfbucht ), übernachten. So gegen 11 Uhr haben wir ein wenig Wind und setzten das Vorsegel. Genau vor der Einfahrt in die Bucht überholt uns ein kleiner Gulet und schnappt uns so den besten Ankerplatz weg. Die Bucht ist nur ca. 50 m breit und somit haben wir nicht viel Platz um den Anker zu setzten. Ich bringe auch eine Landleine aus, aber leider steht der Wind in der Bucht.

Fred ist sehr unruhig. Wir liegen nur mit 3 Booten in der Bucht und haben aber den ungünstigsten Platz. Wenn es hier dunkel wird und das ist es bereits um 19 Uhr, kann man keine Hand mehr vor Augen sehen. Wir befürchten das uns eine unruhige Nacht ohne Schlaf bevor steht, denn hier können wir uns nur auf die Ankerwache verlassen. Um 16 Uhr holen wir den Anker wieder auf und beschliessen in die sichere Ankerbucht von Gökkaya zu fahren, auf der wir schon auf dem Hinweg sicher vor Anker gelegen haben. Der Wind schiebt uns sicher über den Kekovagolf und schon nach einer knappen Stunde fällt der Anker. Neben uns eine deutsche Yacht mit Weltenbummlern so wie wir.

Am Mittwoch sind wir schon früh wach. Heute haben wir eine längere Strecke vor uns. 35 sm sind es bis in die Bucht von Adrasan. Leider kommt der Wind erst später wie erwartet. Um 13.45 Uhr haben wir die Bucht von Finike überquert und das befürchtete Cap Gelidonya mit Motor und gesetzter Genua durchfahren. Der Wind nimmt zu und kommt jetzt achterlich. Mit bis zu 5 Knoten kommen wir gut voran.
Als wir in die grosse Bucht von Adrasan einfahren, haben die Fischer  genau auf unserem Lieblingsplatz viele Bojen für gesetzte Netze ausgelegt. Naja, Platz genug ist dennoch. Auch die Karett Schildkröte streckt neugierig ihr kleines Köpfchen wieder aus dem Wasser. 

Donnerstag lassen wir Olympos und Chirali auf unserer Backbordseite liegen und fahren hinaus auf's offene Meer. Es ist windstill und wir durch das Gebiet von Üc Adalar ( 3 Inseln aber eigentlich sind es ja 4). Sehr oft haben wir auf einem unserer Lieblingswanderpfade von Tekirova aus zu diesen Inseln herüber geblickt. Wie wird es da wohl aussehen??

Jetzt wissen wir's.

Eine Stunde später habe ich Kontakt zu Ina die am Strand von Phaselis auf uns wartet. Als wir in die Südbucht von Phaselis einlaufen sehen wir das während unserer Abwesenheit Ankerbojen ausgelegt sind. Nichts wie hin. Auf Anhieb entern wir eine der Bojen, vielleicht waren wir ja die ersten, an dieser Boje und rudern mit unserem Beiboot ans Ufer. Es liegen nur ein kleines Ausflugsboot und ein paar Fischerboote in Ufernähe; die Piratenschiffe sind längst zurück nach Kemer.Der Kapitän vom Ausflugsboot hat heute nichts zu tun und fragt uns, ob wir am Abend Fisch essen wollen. Er bringt Fisch und wir sollen den Wein dazu spendieren. Pünktlich um 19 Uhr kommt Kapitän Ahmed mit einem grossen Topf Fischsuppe angerudert. Ich habe frisches Brot gebacken. Die nächsten 2 Stunden erfahren wir viel vom fischen zwischen den 3 Inseln, über türkische, deutsche, russische und - weiss ich was - ,Frauen.
Noch einen Raki zum Abschluss und der Kapitän verschwindet wieder in der Dunkelheit. Uns schwirrt das Seemannsgarn noch im Kopf rum.

B R Ä U T E
Ich glaube der September ist der Hochzeitsmonat in der Türkei.
Wenn wir vor Anker liegen hören wir oft die hupenden Autokolonnen wenn mal wieder ein Türke auf Brautschau war. Selbst an den einsamsten Stellen, wie zum Beispiel frühmorgens auf den Klippen in Adrasan; die wollen sich doch nicht schon jetzt ins Meer stürzen??
In den antiken Gemäuern von Phaselis ( möge die Liebe solang andauern wie diese Steine alt sind ! )
Anschliessend ging es mit dem wunderschönen Brautkleid erst ins Fischerboot, anschliessend an den Strand und dann, kaum zu glauben, ab in die Fluten zum schwimmen.
Die ganze Prozedur, mit dem Fotographen oder selbstauslösbarer Kamera, dauert Stunden und wird ein paar Tage nach der Hochzeit zelebriert.
Zurück in der Marina in Kemer traute meinen Augen nicht: stieg eine Braut vor unserem Liegeplatz aus dem Auto. Wir hatten den selben Weg.........ins Shakespeare,
Das Brautpaar zum fotographieren und wir zum kühlen Bier ??

Da wir wussten, dass sich das Wetter zum Wochenende ändern sollte ( hier hat es die letzten Monate nicht geregnet ) und wir nicht ins Unwetter kommen wollten, lösten wir am Freitag um 11 Uhr unsere Vorleine von der Muringtonne in Phaselis. Schon 10 Minuten später rauschten wir mit unseren gesamten Segeln davon; Kemer entgegen.Was für ein herrlicher Segeltag!

Wir waren insgesamt 18 Tage unterwegs und haben nur 150 Seemeilen gemacht. Wir haben die wunderbare Natur, ruhige sichere Ankerplätze, herrliche Wanderwege und die Freundlichkeit der Menschen und Fauna und Flora genossen.........
davon wollen wir mehr ! Das hab ich gestern, nach dem Pide essen, meinem Wunschbaum in Kemer erzählt⛵️?

Freitag, den 6.10.2017

Marina Kemer

Heute müssen wir uns mal wieder von unserem 2. Leben verabschieden. Das 1. Leben wartet. Es geht zurück nach Deutschland. Schnell sind die letzten Tage vergangen, die letzte gewaschene Wäsche hängt auf der Leine, im Schiff ist wieder Chaos vom ein- und umräumen und das alles mit einem Hexenschuss oder ähnlichem, welcher mich erwischt hat. Ich habe gestern nach einem 12 Stundentag auf See das Gulet von unserem Bekannten ( Nuri sagt immmer ich wäre nun seine Schwester, weil ich vor 6 Jahren einen Unfall auf einem seiner Gulet hatte und so werden wir auch behandelt ) zurück nach Kemer gesteuert. Es hat mir unheimlich viel Spass gemacht aber heute humpele ich durch die Gegend. Vielleicht ist der Kahn doch ein bisschen zu gross für mich, bin ja langsam ein altes Mädchen. Der Rentenbescheid wartet jedenfalls in Deutschland auf mich. Noch 11 x in die Klinik und dann ruft die wirkliche Freiheit?

Am Dienstag hatten wir nochmal einen herrlichen Tag. Zuerst ging es nochmal nach Phaselis. Nochmal ausgiebig nach den Resten der antiken Säulen und der Hafenmauer schnorcheln. Viele Fische schwammen über und unter uns.

 

Anschliessend ging es zum Forellenessen nach Ulupinar.

Hier hat man immer das Gefühl in Österreich oder im bayerischen Wald zu sein. Leckere Vorspeisen, Salat, Brot frisch aus dem Ofen, verschiedene Käsesorten, Gebackenes Gemüse, die Forelle noch in der Pfanne direkt aus dem Ofen und dazu ein leckeres Efes ( Bier ).

Für 4 Personen bekamen wir eine Rechnung über 25.-- € !

Abends nahm uns dann Nuri noch mit nach Hause. Sevda, seine Frau, die beiden Kinder und die 2 Brüder von Sevda warteten schon mit einem leckeren Linseneintopf auf uns. Anschliessend fuhr uns Nuri zurück zum Hafen nachdem wir noch frisches Obst für den morgigen Tag gekauft haben. Morgen wollen wir mit auf Nuris Schiff; er hat eine Geburtstagsgesellschaft von ca. 80 Leuten an Bord.

 

 

Donnerstag morgen um 6.30 Uhr klingelte der Wecker. Um 7.15 waren wir an Bord der Jet Nuri. Kleine Sesamkringel mit Frischkäse und Brötchen mit Käse und Kräutern kamen gleichzeitig mit uns an Bord, dazu frischen Chai. Hüysein, ein Mitglied der Bordcrew, war viele Jahre in Oberhausen und freute sich mal wieder über ein paar Worte in der deutschen Sprache. Wir hatten den Hafen noch nicht richtig verlassen, da bekamen wir eine Angel in die Hand. Ein grosser Fisch, ca. 1/2 m lang, biss auch an aber riss sich dann wieder von der Leine. In Tekirova nahmen wir die Geburtstagsfeierer an Bord. Schon kurz danach wurde gesungen und getanzt. Immer gab es was zu essen und helfen durften wir auch nicht. Ab und zu fuhren wir in eine Bucht und sprangen ins Wasser. Was für ein schöner Tag. Wir hatten einen Sänger an Bord, der für gute Stimmung sorgte; doch die hatten wir ja sowieso. Als wir die Leute wieder absetzten hatten kam viel Wind auf. Die Crew hatte alle Hände voll zu tun. Fred schaute wo er noch mithelfen konnte. Auf dem Rückweg nahm ich das Steuer in die Hand. Mit Blick auf den Kompass steuerte ich erst 30 Grad Richtung Antalya. Die Crew machte sauber und Fred hatte auf einmal eine dicke Makrele an der Angel.

Mit einem kühlen Bierchen bei Vollmond und Lagerfeuer am Moonlightstrand ging dieser unser letzter Urlaubstag zu Ende.

Nun habe ich meinen Basilikum, den ich seit Messolonghi an Bord habe, in die Obhut der Gärtner der Marina gegeben. Die Villa haben wir wieder auf Vordermann gebracht und im Shakespeare ein leckeres Essen bestellt. Um 20.00 Uhr bringt uns ein Taxi zum Flughafen. Die dicken Pullover sind natürlich auch dabei.

Tschüss bis November in Kemer!!!