SY Villa Achterwerk
SY Villa Achterwerk

Mittwoch, den 13.09.2017

Moonlightbucht, Kemer

 

Gestern vormittag deckte ich uns nochmal mit frischem Obst, Joghurt und Hähnchenfleisch zum Grillen ein. Um 12.30 Uhr war alles vorbereitet und wir konnten endlich los. Der Motor brummte sofort leise vor sich hin. Das Marinapersonal begleitete uns bis zur Tankstation . Mit umgerechnet 1,65 € pro Liter ist der Diesel sehr viel günstiger wie noch vor 2 Jahren. Da haben wir über 2 € bezahlt für einen Leihwagen. Wir segelten die Küste entlang Richtung Antalya, hatten 3 bft Windstärken und seit langem endlich mal wieder Gross- und Vorsegel stehen. Mit 3,5 kn schob der Wind unser Schiffchen vorwärts; was will man mehr als Segler. Nach 2 Stunden ging es nach einer perfekten Wende wieder zurück, vorbei an der Marina in die Moonlightbucht. Auf 6 m Sandgrund viel der Anker und wir teilten uns ein gut gekühltes Bierchen und blickten schmunzelnd zum Strand. Viele Jahre haben wir dort des öfteren gesessen und gedacht: Ein Schiff wird kommen......., nun ist das Schiffchen da⛵️⛵️
Erstmal ausgiebig schwimmen. Ein 2. Segelboot mit deutscher Flagge ist nun auch vor Anker gegangen; macht aber nur eine Schwimmpause und ist nach einer Stunde wieder ankerauf und davon. Ich bereite uns einen Thunfischsalat vor und leckere süsse Trauben zum Nachtisch. Um 19 Uhr ist es stockdunkel. Wir ziehen unser Schlauboot über die Backbordseite nach oben denn wir wollen nicht wieder morgens wach werden und das Schlauchboot ist weg; wie vor 3 Jahren in Frankreich. Die Fischerbötchen tuckern an uns vorbei, denn morgen gibt es wieder frischen Fisch in Kemer. Nuri hat uns auch schon gesagt: " Ihr müsst unbedingt angeln, denn jetzt im September beissen sie am besten an." Ich werde es die nächsten Tage nochmal versuchen, denn bis jetzt hatte ich kein Glück.
Leider wird der schöne Abend durch die laute Musik, die von allen 4 Restau-    rants über das Wasser geleitet wird, sehr gestört.

Es wird dennoch eine gute Nacht vor Anker. Es gibt nicht viel Wind und unsere Villa wird von den Wellen hin und her geschaukelt. Die Ankerwache hatte nichts zu tun.
Heute morgen werde ich früh wach, das ist auf dem Wasser immer so. Es ist 6.15 Uhr. Ein paar Fischerbötchen kommen zurück und haben hoffentlich einen ordentlichen Fang mitgebracht. Ein Hahn kräht, eine Ziege meckert, ein Hund bellt auf einem der neben uns liegenden Gulets.Ein paar Katzen streiten sich am Strand und ja, die Sonne ist auch schon aufgegangen und trocknet unsere Badesachen die vom Morgentau ganz nass geworden sind.

Freitag, den 15.9.2017

Cirali
Mittwoch um 11.15 Uhr geht der Anker hoch. Wir wollen erstmal ein paar Meilen Segeln. Ausserdem will Fred mal nach unserem Fäkalientank schauen. Wir setzten die Genua und ich steuere die Villa erstmal ca. 2 sm hinauf aufs Meer. Mit dem Fäkalientank ist alles in Ordnung. Schon bald ist  der Wind futsch, also wieder Richtung Land. Nach 12 sm Fahrt, wir lassen den Motor sowieso mitlaufen wegen des Kühlschranks, fällt der Anker auf 6,5 m Sandboden in der Südbucht von Phaselis.
Das antike Phaselis lag auf einer Halbinsel umgeben von 3 Naturhäfen und war eines der wichtigsten Häfen im alten Lykien. 334/333 v. Chr. verbrachte Alexander hier einen Winter, bevor die grosse Keilerei wieder los ging. Noch heute führt eine 24 m breite Prachtstrasse vom Nord- zum Südhafen. Ein Theater aus dem 2. Jhr v. Chr. bot 1500 Besuchern Platz. Ein römisches Badehaus mit noch erhaltenen Rundbögen sind zu bestaunen. Auch eine der längsten Aquädukte des römischen Reiches, kann man zum Teil noch ansehen.
Nach einem ausgedehntem Bad schmeissen wir unseren Lotusgrill an; doch oh Schreck, als Würstchen und Hähnchenkeulen vor sich hin schmoren, gesellen sich ca. 20 Wespen um unser Mahl. Geschmeckt hat es trotzdem und gepieckst wurde auch keiner. Mit 2 anderen Segelbooten verbringen wir eine ruhige, entspannte Nacht.

Am nächsten Morgen, Donnerstag, haben wir einen wunderbaren Blick auf unseren Hausberg Tahtali mit 2365 m. Er ist nur oben an der Spitze von ein paar Wölkchen umgeben. Seit 2007 kann man mit einer Seilbahn dort hochfahren. Wir haben vor einigen Jahren dort oben mal am 6. Dezember den ersten Schnee begrüsst.
Gegen 11 Uhr fallen die ersten Piratenboote in unsere Bucht ein. Erstaunlich, das wir auf dem ersten Boot direkt eine Ansage über den Verlauf des Ausflugs in deutscher Sprache hören. Wir sind sprachlos denn dashaben wir nicht erwartet. Wir kommen uns vor wie in einem Piratenfilm, die wir aber alle nicht gesehen haben. Glücklicherweise macht nur ein Piratenboot während des 1 1/2 stündigen Aufenthalts Musik. Pünktlich mit Aufbruch der Piraten zieht es auch uns weiter. Die Piratenboote drehen backbord Richtung Kemer ab, wir als einziges Boot steuerbord Richtung Chirali/Olympos.
Leider gibt es kaum Wind und so fahren wir dicht an der Küste vorbei, blicken auf den lykischen Weg, den wir vor fast 20 Jahren von Tekirova nach Chirali gelaufen sind. 
Wir ankern ungefähr 500 m vor Olympos vor dem langen Sandstrand vor Chirali.
Natürlich hoffen wir in der Dunkelheit etwas von Yanartas, den brennenden Steinen mit zu bekommen. Die ewigen Flammen sind kleine Feuerchen die durch Erdspalten züngeln; sie werden von Erdgas gespeist. In der Antike erzählt die Sage, das hier die Chimäre zu Hause war. Ein Ungeheuer mit einem Löwenkopf, Ziegenkörper und einer Schlange als Schwanz. Sie wurde von Bellerophon, Sohn des Königs von Korinth, auf seinem geflügelten Pferd Pegasos, getötet.

Fred hat den Müll entsorgt und direkt seine Ruderfähigkeit ausprobiert?

Sonntag, den 17.9.2017

Finike, Marina

 

Seit heute Mittag, 14 Uhr, sind wir in der Marina Finike.
Da es uns in Chirali gut gefallen hat und der Anker gut fest sass, sind wir noch eine Nacht länger geblieben und es hat uns nicht gereut. Schon um 20 Uhr ist es hier pottendunkel. Ein wunderbarer Sternenhimmel tut sich dafür jeden Abend auf und...... wir haben die kleinen Flämmchen in der Dunkelheit gut sehen können. Mit dem Fernglas konnte man dann richtig die kleinen Feuerzungen tanzen sehen. Am Samstag sind wir dann leider ohne Wind Richtung Adrasan. Dort, in der grossen Bucht, haben wir schon auf unserer Hinfahrt nach Kemer gelegen, doch hatten wir in der Nacht grossen Schwell in der Bucht stehen. Diesmal gingen wir direkt in die Südbucht. Dort befindet sich auch ein kleiner Fischerhafen. Neben uns, als einziges Segelboot, eine Etap 32 mit deutscher Flagge. Das ist, seit wir in Kemer losgefahren sind schon das 5. deutsche Segelboot, welches in unserer Nachbarschaft vor Anker liegt. Der Anker fällt auf 8 m und er packt gut. Schon wenig später streckt eine ausgewachsene Karett-Schildkröte ihre vorwitzige Nase in die Luft und schnauft uns ein Willkommen. Spät Abends lässt noch ein Gulet in unserer Nähe seinen Anker plumpsen. Die Gäste gehen schwimmen, währenddessen wird ein BBQ an Bord vorbereitet; ein geselliger Abend klingt nicht so spät aus.

Heute morgen wollen wir früh los. Wir haben heute ca. 30 sm bis Demere vor uns. 
Um 7.15 Uhr mache ich Kaffee und schmiere uns ein paar Brote.

Die kleine Etap ist schon von dannen gezogen.

Punkt 8.00 Uhr wollen wir starten, doch oh Schreck, der Motor sagt keinen Mucks. Wir prüfen ob wir etwas elektronisches in der Nacht angelassen haben, denn vor Anker sind wir ja von der Batterie abhängig. Gestern war kein Wind und so haben wir keine neue Energie gespeichert. Alle elktronische Geräte waren ausgeschaltet. Fred probiert das eine oder das andere aus. Keine Ahnung was war, denn um 8.45 Uhr hat der Motor wieder Lust und sprang an. Wir hatten um 10.30 Uhr schon das Kap Gelidonya erreicht. Der Wind in der Finikebucht kam direkt von vorn und das nicht wenig. So entschlossen wir uns heute schon in die Marina zu gehen und nochmals alle Batterien auf zu laden, bevor wir uns in die Bucht von Kekova aufmachen. Dort ist Zivilisation noch fast ein Fremdwort.
Als wir so vor 15 Jahren darüber nach dachten auf eigenem Kiel in die Türkei zu fahren, waren viele unserer Bekannten hier für längere Zeit, vor allem im Winter, in Finike stationiert. Wir waren sehr gespannt. Tranken unserer erstes Bierchen mit einer Gruppe Segler die hier nicht aufgegeben haben. Es wurden einige Erfahrungen ausgetauscht. Auch hier kümmert man sich ums liebe Vieh und wir wurden Zeugen wie gerade eine Art Dalmatiner in ein Auto verfrachtet wurde. Seine neue Heimat wird wohl Moskau sein; aber gerne hat er Finike nicht verlassen. Er musste ins Auto geschoben werden. Nach einer ausgiebigen Dusche sehen wir uns ein wenig im Ort um. Finike ist ist Kreisstadt der Region. Hier wird viel Gemüse und Baumwolle angebaut. Wenn man oben vom Gebirge in diese Region schaut meint man immer man sieht Schnee, doch das sind die Gewächshäuser. In einem kleinen Restaurant über dem Hafen lassen wir uns dann auch das frische Gemüse gut schmecken.
Die nächsten Tage werden wir erstmal im Kekovaarchipel verschwinden, bevor ich mich wieder melden kann.

Donnerstag, den 21.7.2017

Kaleücagiz, Kekova

Montagfrüh sitze ich um 7.00 Uhr in der Plicht und schicke erstmal die Berichte für meine Homepage auf die Reise. WLAN funktioniert hier auch an Bord. Fred macht derweil Frühstück; dann noch Wasser tanken, spülen, aufräumen, eben Alltag an Bord. Um 11 Uhr geht es weiter Richtung Westen. In unmittelbarer Hafennähe liegen 2 Fischzuchtanlagen. Da kaum Wind weht lassen wir sie backbord liegen und fahren dicht an der Küste vorbei. Bald kommt uns ein Segelboot entgegen. Sie fahren mit Zickzack durchs Wasser! Üben sie ein " Mann-über-Bord- Manöver? " Haben sie Motorprobleme oder können das Segel nicht hochziehen! Ich kann mich auf keinen Kurs einstellen und fahre einen grossen Bogen um die Bavaria. Als wir vorbei waren konnten wir das Rätsel lösen. Auf der Badeplattform stand ein Mann mit einer Angel? Ach ja, Nuri sagte schon der September ist der beste Monat um die Angel auszuwerfen. Kurze Zeit später konnten wir das Vorsegel ausrollen und mit 4,5 kn ging es Richtung Demre. Hier ist vor 3 Jahren alles für eine neue Marina vorbereitet worden. Das äussere Hafenbecken ist schon von weitem sichtbar. Wir fahre hinein und haben von weitem schon einen Zweimaster im Hafenbecken entdeckt. Zur Zeit ist es höchstens ein Fluchthafen falls man in schweres Wetter kommt. Der Zweimaster, sowie 3 kleine Fischerboote haben sich am Ufer festgemacht. An der Kaimauer gibt es noch keine Möglichkeit. Die Baustelle ist z. Zt. stillgelegt. Wir setzten wieder unsere Genua und weiter geht's. Schon eine 1/2 Stunde später näher wir uns Andriake, hier war früher der antike Handelshafen von Myra, der Stadt des heiligen Nikolaus, die wir schon mehrmals besucht haben. Im Jahre 60 n. Chr. ist hier der Apostel Paulus auf ein Schiff gestiegen um seine letzte Seereise anzutreten. Sie führte ihn in die heilige Stadt Rom.
Dort wurde er dann gefangengenommen und später enthauptet. 
Als wir die Hafeneinfahrt überqueren kommen uns viele Ausflugsboote in die Quere.
Wie schön diesmal auf dem eigenen Boot zu sitzen. Dafür müssen wir jetzt aber besser aufpassen.

Eine weitere 1/2 Stunde später lassen wir unseren Anker auf nur 3,5 m Wassertiefe in der Gökkayabucht ( Gök bedeutet Himmel und Kaya - Felsen ) also im Himmelsfelsenhafen, fallen. Hier ist es wirklich himmlisch. 3 Segelboote, ein paar Gulets auf " blauer Reise " und im Hintergrund ein paar Ruinen eines alten Dörfchens, welches wohl auch bei den grossen Erdbeben dran glauben musste. Abends kommt Gesang von einem Gulet zu uns herüber und ein paar Ziegen haben auch was zu meckern; absolut ein kleines Paradies.

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© Ursula Alewijnse